Berühmte Magier und Zauberkünstler

Chung Ling Soo

Chung Ling Soo ist der Nachwelt vor allem durch seinen spektakulären Tod auf der Bühne in Erinnerung geblieben. William Robinson, wie er mit bürgerlichem Namen hieß, wurde 1862 in den Vereinigten Staaten geboren und arbeitete in frühen Jahren als Assistent von Harry Kellar und Alexander Herrmann. Nach dessen Tod übernahm er zusammen mit Leon Herrmann dessen Show. Ab 1896 begann er mit selbstständigen Auftritten und machte im Jahre 1901 die Figur des Chinesen Chung Ling Soo zu seinem Alter Ego. Nicht nur auf der Bühne, sondern auch im Leben spielte er fortan diese Rolle: Nur wenige Menschen wussten, wer er wirklich war.

Mit einer asiatischen Illusionsshow wurde er in dieser Rolle weltberühmt und feierte beträchtliche Erfolge, ähnlich wie sein Kollege und Zeitgenosse Okito. Bühnenshows aus dem fernen Osten trafen in der damaligen Zeit einen besonderen Nerv, denn sie spielten publikumswirksam mit den Mitteln des Exotischen. Besonders das Kunststück des Ringspiels trug Chung Ling Soo viel Lob von Zuschauern und Kollegen ein; seine Frau Suee Seen wirkte in seinen Vorstellungen als Assistentin mit.

Das ganze Leben dieses Zauberkünstlers wurde jedoch am 23. März 1918 auf der Bühne des Londoner Wood Green Empire Theatres mit einem Schlag durch ein tragisches Ereignis beendet. Dort führte Chung Ling Soo wie immer den sogenannten Kugelfang vor. Zuschauer aus dem Publikum erhielten zwei Bleikugeln, in die sie mit einem kleinen Messer zwei Zeichen ritzten um sie auf diese Weise zu identifizieren. Zwei sich zufällig im Publikum befindliche Soldaten bekamen zum Untersuchen zwei Gewehre ausgehändigt. Vor ihren Augen werden die Kugeln in die Gewehre geladen, wobei anscheinend alles mit rechten Dingen zuging. Die Assistentin und Frau des Zauberkünstlers, Suee Seen, überreicht ihrem Mann eine kleine Porzellanplatte, die sich dieser vor die Brust hält. Die Gewehre werden zwei Mitarbeitern der Show überreicht, die sich auf die linke Seite der Bühne stellen und auf den weiter rechts stehenden Chung Ling Soo anlegen und zielen. Es krachen zwei Schüsse; der Zauberer zuckt zusammen, wankt und fällt. Aus dem Publikum erklingen Entsetzensschreie, schnell wird der Vorhang herunter gelassen... Wenige Stunden später stirbt der tödlich verwundete Zauberkünstler in einem Londoner Krankenhaus.

Bis heute erhalten sich zahllose Vermutungen und Gerüchte über Chung Ling Soos Tod. Beging der Zauberer Selbstmord? Wurde er von Konkurrenten aus dem Weg geräumt? Wollte vielleicht jemand seine wahre Identität aufdecken? Angeblich wollte der Zauberer sein berühmtes Kunststück an diesem Abend zum letzten Mal vorführen...! Was am 23. März 1918 geschah, ist in die Annalen der Zauberei eingegangen.
Der tatsächliche Ablauf der Ereignisse und die Hintergründe werden wohl für immer ein Geheimnis bleiben.