Berühmte Magier und Zauberkünstler

Okito

Trotz einer beträchtlichen Behinderung, die ihn Zeit seines Lebens begleitete, schaffte er es, einer der faszinierendsten Zauberer des frühen 20. Jahrhunderts zu werden. Der Zauberer Okito wurde am 15. Juli 1875 in Amsterdam geboren und war der berühmteste Sprössling der holländischen Zaubererfamilie Bamberg. Bereits Okitos Ur-Urgroßvater Eliaser Bamberg (1760-1833) war Berufszauberer, und Okitos Großvater David Leendert (1786-1869) arbeitete als Hofzauberer bei König Wilhelm II in den Niederlanden.

Ein Badeunfall im Alter von 18 Jahren führte dazu, dass Okito fast sein komplettes Gehör verlor und sich auf der Bühne mit seinen Zuschauern nicht mehr unterhalten konnte. Okito löste das gravierende Problem dadurch, dass er fortan nur noch als Pantomime und unter der Begleitung von Musik auftrat. Indem er sich als Japaner und damit der deutschen Sprache unkundiger Fremder ausgab, fand er eine für alle Zuschauer einleuchtende Erklärung für sein Verhalten, ohne dass er näher auf sein Handicap eingehen musste. Der Name "Okito" ist übrigens eine Umschreibung, die von der japanischen Hauptstadt "Tokio" abgeleitet ist. 1908 arbeitete er kurz mit dem bekannten amerikanischen Zauberer Howard Thurston zusammen, der ihn als Schattenspieler engagierte. 1906 und 1907 bereiste er China und Niederländisch-Indien. 1916 erhielt er die amerikanische Staatsbürgerschaft. Erst nach 1920 kehrte er nach Europa zurück, wobei er sich vor den Nationalsozialisten Ende der 30er Jahre wieder nach New York zurückzog.

Okito war ein begabter Hersteller magischer Fachgeräte, und die meisten Apparate und Hilfsmittel, die in seinen Shows zum Einsatz kamen, stellte er selbst her. So führte er zum Beispiel die Verwandlung von Konfetti in Wasser oder das Erscheinen und Verschwinden großer mit Wasser gefüllter Schalen vor, wobei er allen Kunststücken einen typisch orientalischen Anstrich gab. Ein anderes Paradekunststück war das Schweben einer großen Kugel auf offener Bühne, die anmutig seinen Körper umkreiste und einzigartige Drehungen vollführte. Viele Zauberkünstler haben in heutigen Zeiten ein ähnliches Kunststück im Repertoire, doch Okitos Präsentation war unvergleichlich, denn sie bestach durch ihre einmalige Anmut und Eleganz. Die Show des Magiers zugleich durch opulente Kostüme und prachtvolle Bühnenrequisiten, die ihresgleichen suchten. Okito trug in der Regel nicht nur einen Kimono, sondern gleich zehn auf einmal, wobei er nach jedem Kunststück einen auszog und darunter ein immer noch schöneres und prachtvolleres Muster zum Vorschein brachte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg ließ sich Okito fest in New York nieder und widmete sich ganz dem Bau trickreicher Zauberapparaturen, heute begehrte Sammlerobjekte unter Zauberern und Fachleuten. Am Broadway Nr. 1139 entstand damals die "Bamberg Magic and Novelty Company". Auch Okitos Sohn Tobias Leendert (1904-1974) blieb der Tradition der Familie treu. Wie seine Vater übernahm er das magische Erbe und trat unter dem Namen Fu Manchu mit großem Erfolg vor allem in den L√§ndern Süd- und Mittelamerikas auf.