Berühmte Magier und Zauberkünstler

marvelli

Fredo Marvelli (1903-1971) hieß mit bürgerlichem Namen Friedrich Jäckel und wurde in Oberschlesien als Sohn eines Oberförsters geboren. Nach dem Willen der Eltern hätte er Theologie studieren sollen. Stattdessen entschied er sich für eine Zahntechnikerlehre und wandte sich nach abgeschlossener Ausbildung dem Beruf des Zauberers zu. Ohne seinen Brotberuf überhaupt je ausgeübt zu haben, begann er auf großen Bühnen aufzutreten. Im Jahr 1924 besorgte er sich einen Kasten, um die Illusion der "Zersägten Jungfrau" vorzuführen. Als dieses Kunststück misslang und er in Folge dessen aus dem Theater geworfen wurde, beschloss er, künftig nie mehr Automaten, sondern nur noch seinen eigenen Fähigkeiten zu vertrauen. Ein Jahr später lernte er den Zauberer Carmelli kennen, der ihn lehrte, dass die Kunst der Zauberei mindestens ebensoviel mit der eigenen Persönlichkeit wie mit den vorgeführten Kunststücken zu tun hat. In einem Hotel in Garmisch begann er seine Bühnenkarriere mit charmanten Zaubervorträgen vor gehobener Gesellschaft und hatte damit von Anfang an großen Erfolg.

Für seine Shows wählte er gerne Bühnen im klassischen Ambiente. Eine Augenzeuge berichtet 1954 folgendes über einen seiner Auftritte: "Schließlich zeigt sich Marvelli als ‚Schwarzer Magier’. Wie eine diabolische Gestalt steht er hinter einem niedrigen Tisch und lässt ein lebloses Seil zu erschreckendem, schlangengleichen Leben erwachen. Die dabei verwendeten Lichteffekte und musikalische Untermalung geben ein Bild von faszinierender magischer Wirkung, dem sich kein Zuschauer entziehen kann und das selbst alte Hasen stets wieder begeistern muss. Nach der Pause hält Marvellis berühmter Zigarettenfang die Zuschauer in Atem, und bei der ‚Schwebenden Kugel’ hört man keinen Laut. Nach einer Reihe von Zierspielen, Kartentricks und weiteren Kunststücken folgt noch einmal ein Höhepunkt: ‚Der Schwebende Stab’. Hierbei ist es wieder die Musik, deren Klang an Kräfte aus dem Geisterreich glauben lässt und die Schwerelosigkeit glaubhaft macht."

Der hier erwähnte "Zigarettenfang" war eines von Marvellis Paradekunststücken: Während der Zauberer über die Bühne tänzelte, ließ er eine brennende Zigarette nach der anderen erscheinen. In einem anderen berühmten Kunststück entlieh er Geldscheine aus dem Publikum und ließ sie unter den Augen seiner Zuschauer verbrennen, nur um sie wenig später wieder zu restaurieren. Das "Lebende Seil" gehörte zu den wichtigen Highlights: Ein phosphoreszierendes Seil begann sich unter den rhythmischen Bewegungen von Marvellis Händen wie eine Schlange hin und her zu bewegen, ohne dass er es berührte. Nach dem Kunststück durfte das Seil sogar untersucht werden!

Im Jahr 1938 befand er sich auf dem Höhepunkt seiner Karriere und hatte alle seine Ziele erreicht. Der Zweite Weltkrieg traf ihn jedoch empfindlich und führte wie auch bei vielen seiner Kollegen zu einem Karriereknick, nach dem er 1945 noch einmal von Neuem beginnen musste. Zunächst bereiste er deutsche Badeorte. Auf einer seiner Tourneen nach Marokko entdeckte er das südlich von Valencia gelegene Örtchen Benidorm, wo er sich nach 1955 niederließ um seine letzten Jahre zu verbringen.

Das Hauptaugenmerk dieses beliebten Zauberers war immer auf die Präsentation und Verpackung seiner Kunststßcke gerichtet. Obwohl er über große Geschicklichkeit verfügte und in ganz verschiedenen Disziplinen komplizierte Manipulationen vorführen konnte, bestand Zauberei für ihn nicht ausschließlich in artistischen Show-Effekten, sondern stets im Bemühen um ästhetische Vollkommenheit und künstlerischer Konsequenz.